Trotz und gut

Die Renaissance des Dickkopfs

Wenn ein kleines Kind auf stur stellt und partout nicht das macht, was die Erwachsenen von ihm verlangen, und wenn sich aufmüpfiges, rebellisches Verhalten bei diesem Kind häuft, dann sprechen wir von einer „Trotzphase“. Wir sind genervt und wünschen uns bzw. den betroffenen Eltern ein baldiges Ende dieser anstrengenden Periode.

trotzdem ja zum leben sagen

In der Logotherapie und Existenzanalyse hat der Trotz einen ganz anderen, nämlich einen positiven Stellenwert. Viktor Frankl prägt den Begriff der Trotzmacht des Geistes. Er stellt fest, dass der Mensch dank seines Geistes zur Rebellion gegen eigene schlechte Gedanken und Stimmungen fähig ist. Als geistbegabtes Wesen ist er mitunter geradezu zur Rebellion aufgerufen:

„Ich muss mir von mir selber nicht alles gefallen lassen!“

Mit diesem Ausspruch beschreibt Frankl sehr anschaulich, was er unter der Trotzmacht des Geistes versteht.

Trotzmacht des Geistes

Aber Achtung! – Trotz kann man nicht verordnen. Einem verzweifelten und leidenden Menschen zur Besserung seiner Lage zu empfehlen (oder gar zu befehlen), er solle sich doch nicht so gehen lassen, sondern lieber seiner Selbstverantwortung gerecht werden und sich mithilfe der Trotzmacht des Geistes kurieren, wäre nicht gut, sonder dumm und geradezu gefährlich.

Zum weiten Spektrum der möglichen menschlichen Stimmungen gehört auch das Gefühl der absoluten Hoffnungslosigkeit. Wenn eine solche düstere Stimmung als Reaktion auf lang anhaltende äußere Einflüsse entstanden ist, dann wird der leidende Mensch aus ihr nicht schlagartig durch ein mitleidiges Wort oder durch eine schöne Theorie vom menschlichen Geist erlöst. Eine wirkliche Besserung braucht Zeit. Sie gelingt schrittweise, indem Körper, Psyche und Geist wieder in wechselseitigen Kontakt geraten, Werte entdeckt und empfunden werden, Sinnmöglichkeiten Raum im Bewusstsein finden und so ein guter Nährboden für das Selbstbewusstsein entsteht. Auf diesem Weg entfaltet logotherapeutisches Coaching sein volles Potenzial.

weiter zu Existenzanalyse und Logotherapie in Aktion

* Frankls Logotherapie und Existenzanalyse ist lebensgeprüft und krisenerprobt. Ihr Autor setzte sich als Schüler, Student und junger Arzt intensiv mit den größten Psychologen seiner Zeit, Sigmund Freud und Alfred Adler, sowie mit Philosophen wie Max Scheler und Edmund Husserl auseinander. Schon in seiner Kindheit zeigte er ein intensives Interesse an Fragen nach dem Sinn des Lebens. Die Grundlagen zur Logotherapie und Existenzanalyse legte er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Zur grausamen Erprobung der Leistungsfähigkeit seiner Erkenntnisse war er als KZ-Häftling gezwungen. Seine Auswertung und Verarbeitung dieser Erlebnisse legte er in seinem Buch ...trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager nieder.