Coaching mit Sinn und Verstand

der Denker mit dem Text: Was ich kann, darf, muss

Im folgenden Artikel möchte ich kurz darstellen, was es bedeutet, Coaching auf Basis von Existenzanalyse und Logotherapie durchzuführen bzw. in Anspruch zu nehmen. Unter dem Menüpunkt Zur Methode stelle ich ausführlich das Zusammenspiel und das Potenzial von Existenzanalyse und Logotherapie mit Walk & Talk dar. Da ich von Kollegen und Klienten immer wieder darum gebeten werde, in diesen Zusammenhang auch mein Verständnis von Coaching einzuordnen, will ich hier einige Grundgedanken skizzieren.

Im Allgemeinen wird Coaching als leistungssteigernde Maßnahme im beruflichen Kontext verstanden. Das Besondere an logotherapeutisch / existenzanalytisch fundiertem Coaching ist, dass wir die Möglichkeit haben, das jeweilige Problem oder Anliegen bei den Wurzeln zu packen. Idealer Weise haben wir bei der Analyse des Status Quo sowie bei der Planung und Realisierung der angestrebten Verbesserungen die folgenden Fragen im Hinterkopf.

Vier Grundfragen in Logotherapie und Existenzanalyse

  1. Realität: Welche äußeren Umstände und Fakten spielen im Zusammenhang mit meinem Anliegen eine Rolle? – Was kann ich tun und was nicht?
  2. Werte: Was ist mir wirklich wichtig und welche Werte habe ich? – Was möchte ich tun und was nicht?
  3. Gewissen: Wofür kann ich (ein)stehen und was kann ich (vor mir) verantworten? – Was darf ich tun und was nicht?
  4. Zukunft: Was will ich erreichen, welche Ziele habe ich? – Was muss ich tun und was wäre ein Holzweg?

Die Bedeutung dieser Fragen für das Coaching

Leistungsfähigkeit setzt Motivation voraus. Längerfristig motiviert ist aber nur, wer Antworten auf die oben gestellten Fragen zu geben weiß. Diese Behauptung hat es verdient, erläutert und untermauert zu werden:

Die realistische Einschätzung dessen was geht und dessen was nicht geht ist eine Voraussetzung für gesundes Wachstum. Möglichkeiten und Freiheiten nicht zu erkennen, kann ebenso schädlich sein, wie sich an realitätsfremde, von Wunschdenken geleitete Annahmen zu klammern. Im Coaching erhalten Sie Unterstützung dabei, Ihre Freiheiten und Ihre Grenzen besser kennenzulernen. Das ist wertvoll, denn, wenn wir uns von Illusionen verabschieden und gleichzeitig einen geordneten Überblick über unsere Möglichkeiten erlangen, schaffen wir optimale Bedingungen für einen selbstbestimmten und glücklichen weiteren Lebensweg.

Werte sind Wegweiser zum Sinn. An dieser Stelle kommt die Logotherapie ins Spiel. Wem die Frage nach den Werten zu hochtrabend erscheint, der kommt genauso gut zum Ziel, indem er sich überlegt, was ihm persönlich wirklich wichtig ist. Das zu erkennen ist sowohl Voraussetzung als auch Motivation für individuelle und passgenaue Entscheidungen und Weichenstellungen.

Der Gründungsvater der Logotherapie, Viktor Frankl, beschreibt das Gewissen als Sinnorgan, also als ein Wahrnehmungsorgan, mit dessen Hilfe wir erkennen, wie sinnvoll oder sinnwidrig etwas ist. Der Begriff ist hilfreich. Er gibt uns eine einfache Vorstellung davon, wofür das Gewissen gut ist. Gleichzeitig fordert er dazu auf, den Wahrnehmungen, die wir mit diesem Sinnesorgan machen, Bedeutung beizumessen und unser Leben nach ihnen auszurichten. Logotherapeutisches Coaching ist besonders in Fragen, die mit dem Sinn zu tun haben ein starker und erprobter Ansatz. Es gilt die Maxime, dass Sinn dem Klienten vom Coach nicht gegeben oder aufoktroyiert werden kann. Sinn muss entdeckt werden. Auf diesem Weg ist der logotherapeutisch erfahrene Coach ein hilfreicher Begleiter.

Ziele stehen am Anfang und am Ende. Schon im klassischen Coaching ist eine klare Definition der Ziele unerlässlich. Durch die Sinn- und Werteorientierung der Logotherapie und Existenzanalyse sind Ziele immer im Blick. Etwas ist Sinn- und Wertvoll nicht nur, weil es einfach gut ist, sondern weil es für etwas gut ist oder zu etwas Gutem führt. Das zeigt, dass existenzanalytisches Denken nach vorne gerichtet ist. Rückschau ist nur in dem Maße gerechtfertigt, in dem sie der Entwicklung und dem Leben dient.

Die zuletzt gemachte Beobachtung findet man übrigens im Kern schon bei Søren Kierkegaard: Es ist ganz wahr, was die Philosophie sagt, daß das Leben rückwärts verstanden werden muß. Aber darüber vergißt man den andern Satz, daß vorwärts gelebt werden muß. - Tagebücher (1843)