Wenn das Gefühl wertvoll zu sein fehlt

vertrocknete blume

Ein schlechtes oder ungesundes Selbstwertgefühl ist die Grundlage vielfältiger Leiden im Leben des betroffenen Menschen. Die einen sprechen dann von Unzufriedenheit oder Unausgeglichenheit; andere geben an, lustlos und unmotiviert zu sein; wieder andere werden von Selbstablehnung oder gar Selbsthass gequält. Das jeweilige Selbstwertgefühl beeinflusst Körper, Gefühlsleben und Beziehungen des Menschen. Ein schlechtes Selbstwertgefühl ist der Hauptgrund für Burnout.

Durch meine Arbeit als Coach und Existenzanalytiker weiß ich, wovon ich spreche. Stärkung des Selbstwertgefühls ist sehr häufig der beste, wenn nicht gar einzige Weg zur Lösung der großen Schwierigkeiten im Leben.

Unterschiedliche Folgen eines schlechten Selbstwertgefühls?

Ein schlechtes Selbstwertgefühl ist Quelle unzähliger Ängste. Diese belasten meistens nicht nur einen selbst. Sie haben für gewöhnlich auch Auswirkungen auf das Umfeld, Partner, Verwandte, Kollegen und Freunde.

  • Wer sich im Grunde selbst nichts zutraut, der hat Angst vor Kritik.
  • Wer sich selbst nicht mag, der hat Angst davor, nicht gemocht zu werden.
  • Wer kein Vertrauen in sich selbst hat, der hat große Angst davor, Fehler zu machen und dabei ertappt zu werden.
  • Wer sich selbst wenig zutraut, dem wird wenig zugetraut.
  • Wer sich selbst nicht mit Wertschätzung begegnet, der wird auch anderen keine ehrliche Wertschätzung entgegenbringen können.

Man kann sagen, dass ein schlechtes Selbstwertgefühl sehr leicht Bestätigung und Verstärkung von außen erfährt. Es entsteht so ein Teufelskreis, der sich durch mehrere Lebensphasen immer stärker aufbauen und festigen kann. Anfänglicher Zweifel am Wert der eigenen Person wird zur fest eingebauten inneren Überzeugung; vorsichtige Selbstkritik wird zu zäher Selbstbeschränkung und letztlich zu Selbsthass und Selbstzerstörung.

Konkrete Auswirkungen eines schlechten Selbstwertgefühls

Ehe ich in den folgenden Artikeln über Ursachen für ein gestörtes Selbstwertgefühl, sowie über Maßnahmen zu dessen Stärkung und Gesundung schreibe, sollen hier beispielhaft zehn konkrete Konsequenzen skizziert werden, unter denen Menschen mit schlechtem Selbstwertgefühl leiden. Ich möchte auf diese Weise die Vielfalt der Fälle zeigen, in denen Hilfe durch Selbstwertgefühl-Stärkung möglich ist, bzw. in denen Selbstwertgefühl-Stärkung der erste und wichtigste Schritt zur Verbesserung der Lage ist.

1. Schlechtes Gewissen und Depressionen

Man nimmt fast ständig einen großen Unterschied zwischen dem wahr, von dem man ausgeht, dass es sein sollte und dem, was wirklich ist. Es entsteht ein Grundgefühl der Unzulänglichkeit und Unzufriedenheit.

2. Entmutigende und demütigende Selbstgespräche

Selbstkritische Stimmen dominieren das innere Gespräch. Man traut sich nichts zu, gibt sich reflexhaft die Schuld, macht sich klein oder verhöhnt sich: „Das schaffst du eh nicht. Das ist natürlich wiedermal dein Fehler. Du Schaf, so blöd kannst ja nur du sein, typisch ...“

3. Überempfindlichkeit und große Verletzlichkeit

Kritik wird auch da wahrgenommen, wo nur Lockerheit, Taktlosigkeit oder Unaufmerksamkeit herrscht. Verhalten und Äußerungen anderer werden genauestens auf mögliche Spitzen und Feindseligkeiten untersucht. Man fühlt sich sehr schnell in der Rolle des Mobbing-Opfers. – Eine weitere Reaktion kann auch übermäßige Zurückhaltung und Schüchternheit sein. So versucht man Fehler, Kritik, Ausgelacht-Werden oder auch genauer Wahrgenommen-Werden zu vermeiden.

4. Gereiztheit, Wut, Aggressivität und Gewalttätigkeit

Ständiges Sich-Wegducken, Sich-unverstanden- und Sich-ungeliebt-Fühlen führen dazu, dass sich große Unzufriedenheit und Selbsthass anstauen und dann unkontrollierbar ausbrechen.

5. Eifersucht

Wer sich selbst nicht mag, glaubt nicht, dass er/sie für andere auf Dauer liebenswert sein kann. Gleichzeitig ist er/sie von der Liebe und dem Zuspruch des/der anderen abhängig. Die Folge ist übergroße Verlustangst und Eifersucht.

6. Materialismus und Oberflächlichkeit

Wenn die jeweilige Wertschätzung nicht (auch) von innen kommt, dann spielt bei der Selbstbewertung und Selbstachtung Wertschätzung, die von außen kommt, die Hauptrolle. Man betrachtet sich ständig durch die Augen der anderen und ist von guten Rückmeldungen, wenn nicht gar neidischen Blicken, abhängig. Eine perfekte Fassade und Statussymbole scheinen der Weg zu einem glücklichen Leben zu sein.

7. Perfektionismus und Angst davor, Fehler zu machen

Ohne Selbstsicherheit empfindet man eigene Fehler als Herabwürdigung. Durch extreme Kontrolle und übergroße Sorgfalt versucht man darum, jegliche Fehler zu vermeiden. Durch Höchstleistung kämpft man darum, unangreifbar zu sein und vor sich und anderen gut dazustehen. Das kann natürlich nicht immer gelingen. Verletzungen und Rückschläge sind programmiert.

8. Nicht Nein sagen können

Der Glaube, anderen unbedingt gefallen zu müssen oder für andere unentbehrlich sein zu müssen, führt dazu, dass man Aufgaben übernimmt, die nicht im jeweiligen Zuständigkeitsbereich liegen. Dann überarbeitet man sich und fühlt sich gleichzeitig nie ausreichend für das erbrachte Engagement wertgeschätzt.

9. Ablenkbarkeit und Sucht

Selbstachtung und Selbstsicherheit braucht man, um beharrlich (nicht perfektionistisch) Ziele zu verfolgen. Beharrlichkeit und Begeisterung speisen sich aus dem Gefühl, etwas Wert- und Sinnvolles zu tun. Ohne ein gesundes Selbstwertgefühl sind wir für Befriedigung, wie sie aus Werte- und Sinnstreben kommt, nicht empfänglich. Die Folge ist Ablenkbarkeit und die Suche (Sucht) nach leichter, schneller Befriedigung.

10. Burnout

Ohne Selbstachtung und gesundes Selbstwertgefühl ist der arbeitende Mensch in vielfältiger Weise einem hohen Burnout-Risiko ausgesetzt. Ein gutes Selbstwertgefühl bietet, zum einen soliden Schutz vor Überarbeitung und Selbstausbeutung, zum anderen ist es aber auch Quelle für Motivation und Durchhaltevermögen.

Fazit

Ein schlechtes Selbstwertgefühl kann unterschiedliche Auswirkungen haben. Übermäßiger Rückzug und Selbstverkleinerung treten ebenso auf wie Höchstleistung in Teilbereichen des Lebens und selbstzerstörerische Selbstausbeutung. Dem gegenüber ist ein gesundes Selbstwertgefühl der beste Garant dafür, dass man existenzielle Krisen gut übersteht.

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