2. Funktionsweise und Entstehung von Selbstwertgefühl

selbstwertgefuehl menschenbild

Um sich zuversichtlich daran zu machen, das Selbstwertgefühl zu verbessern, ist es hilfreich, sich darüber im Klaren zu sein, dass das „technisch“ überhaupt möglich ist. Zu diesem Zweck habe ich das im ersten Teil dieser Artikelserie vorgestellte Modell entwickelt, in dem das Selbstwertgefühl als wandelbares Gefühl dargestellt wird, das wir dem eigenen Wert entgegen bringen.

Indem wir über Gefühle, die wir unterschiedlichen Phänomenen entgegenbringen, nachdenken, nehmen wir eine Beobachterposition ein. Aus der Distanz dieser Position haben wir dann die Möglichkeit, steuernd einzugreifen. So können wir zum Beispiel die zerstörerische oder einengende Kraft von selbsterniedrigenden Überzeugungen brechen, indem wir deren Irrationalität verstehen.

Idealerweise entwickelt sich ein gesundes Selbstwertgefühl während der Säuglings- und Kinderjahre. Ein Verständnis dieses Vorgangs ist zielführend, wenn man nach Möglichkeiten zum Ausgleich oder zur Heilung von Schwächen oder Verletzungen sucht, deren Ursprung in den ersten Lebensjahren liegt. Dieses Verständnis gibt uns Hinweise auf, drei Bereiche, in denen ein Nachlernen oder Nachholen im Erwachsenenalter unter Umständen notwendig ist.

  1. Lebensraum und Sicherheit: – Das Kind (und auch der Erwachsene) braucht einen Ort und ein soziales Umfeld, an dem es sagen kann: „Hier ist mein sicherer Lebensraum. Hier bin ich zu Hause.“
  2. Wertschätzung und Vertrauen: – Liebe und Wertschätzung, die der Mensch in seinen ersten Lebensjahren erfährt, befähigen ihn, auf seinem weiteren Lebensweg sich selbst und andere zu lieben und wertzuschätzen. Wohl dem, der sagen kann: „Es ist gut, dass ich auf der Welt bin.“
  3. Individuelle Freiheit und Verantwortung: – Das Kind ist kein Klon von Vater oder Mutter. Es hat auch nicht die Aufgabe, die Erwartungen und Träume der Eltern zu leben. Es soll sich frei fühlen, den eigenen Weg zu finden und lernen, mit der eigenen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen.

Weiter unten beschreibe ich eine Methode zur Selbstwertgefühlstärkung, in der ich mich auf diese drei Bereiche beziehe.

Wer ohne sichere Bindungen und/oder ohne Wertschätzung und/oder ohne die Möglichkeit individuelle Stärken entfalten zu dürfen aufgewachsen ist, der hat aller Wahrscheinlichkeit nach auf seinem Lebensweg Probleme mit dem Selbstwertgefühl. Typische Folgen habe ich im Artikel Wenn das Gefühl wertvoll zu sein fehlt dargestellt.

Das Fazit dieses Abschnittes lautet: Es ist gut eine Theorie von Entstehung und Wirkungsweise des Selbstwertgefühls zu haben. So finden wir zu individuell passenden Werkzeugen, die es uns ermöglichen, Schwächen und Verletzungen zu überwinden. Dabei hilft der distanzierte Blick auf uns selbst, diese Werkzeuge zuversichtlich einzusetzen.