3. Selbstbeschränkungen überwinden und Kraftquellen anzapfen

Kraft und Selbstwertgefühl speisen sich aus physischen und vor allen Dingen auch aus psychischen Quellen. Wir können also nur Stärke aus dem ziehen, was wir auf unserem bisherigen Lebensweg mitbekommen haben und wozu wir aktuell Zugang haben. Dabei sind der ehrliche Wille etwas zu verändern und die Zuversicht etwas verändern zu können wesentliche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wandlungsprozess.

Eines steht fest: Indem wir uns bedauern oder uns in einer Opferrolle einrichten, machen wir alles nur noch schlimmer. – Es liegt bei Ihnen. Stellen Sie sich diese eine Frage: „Will ich, dass es so weitergeht?“ – Falls die Antwort „Nein!“ lautet, dann finden Sie heraus, was zu tun ist. Die hier skizzierten Maßnahmen zur Stärkung des Selbstwertgefühls sollen Ihnen dabei Helfen, sich fit für die anstehenden Entscheidungen zu machen.

Frei und souverän werden

Schnecke auf dünnem Zweig

Gegenüber Menschen und Umständen, die bedeutende Auswirkungen auf unser Leben hatten oder haben, sollten wir aktiv eine Haltung einnehmen. Das gilt besonders dann, wenn sie uns geschadet oder uns negativ beeinflusst haben. Gelingt es uns, uns diesen Menschen oder Umständen gedanklich oder sogar ganz konkret zu stellen – uns ihnen gegenüber neu einzustellen – dann gewinnen wir das Gefühl von Souveränität und Stärke, in einem Bereich, an dem vorher Ohnmacht und Schwäche vorherrschten bzw. uns beherrschten.

Der Weg zu einer neuen souveränen Einstellung gegenüber anderen Menschen, prägenden Lebensumständen oder auch der eigenen Person gehört zu den schwierigsten, die ein Mensch gehen kann. Dieser Weg besteht sehr häufig aus den folgenden vier Etappen, die je nach der individuellen Situation kürzer oder länger und leichter oder schier nicht gangbar sind:

  1. Vorwürfe machen
  2. Verständnis aufbringen
  3. Verzeihen
  4. Danken

Wem es gelingt, diesen Weg trotz großer Beschwerlichkeiten zu meistern, der wird mit einem gestärkten Selbstwertgefühl für seine Leistung belohnt.

Der Auseinandersetzung mit der eigenen Person sollte in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Sie ist dann unabdingbar, wenn das Selbstwertgefühl durch Selbstvorwürfe, Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen niedergedrückt wird. Wenn dies der Fall ist, dann wird das Selbstwertgefühl verbessert, indem man Blockaden benennt und abbaut und Belastungen verstehen lernt und abträgt. In solchen Fällen spreche ich von Selbstwertgefühlbefreiung. Diese Befreiung ist oft Voraussetzung für Aufbauarbeit und Selbstwertgefühlstärkung.

Den Weg zu einer neuen, souveränen Einstellung muss man sich mit vielen gedanklichen und emotionalen Schritten durch Regionen bahnen, die teilweise fremd und ungewohnt sind. Üblicherweise stößt man dabei aber auch auf Vergessenes und Verlorengeglaubtes. Die Reise ist lang und vielseitig. Man hält sie ohne Hilfsmittel und Begleiter kaum bis zum Ziel durch. Es besteht immer wieder die Gefahr, sich zu verlaufen, sich vorzeitig am Ziel zu wähnen oder resigniert aufzugeben.

Ein wertvolles Hilfsmittel sind Briefe oder ein Reisetagebuch. Im Schreiben bringt man Gedanken auf die Reihe. Erkenntnisse werden festgehalten. Es entsteht eine „Landkarte“ des bereits zurückgelegten Weges, die dabei hilft, neue Abzweigungen und Wegweiser zu entdecken oder aus Sackgassen wieder herauszufinden. Als Etappenziele bzw. Schreibaufgaben dienen die vier oben genannten Punkte: 1. Vorwürfe machen, 2. Verständnis aufbringen, 3. Verzeihen und 4. Danken. - Das Schreiben soll ein Prozess sein, indem man sich Ehrlichkeit und Freiheit gönnt. Briefe, die so entstehen, müssen darum nie abgeschickt werden. Sie entfalten ihre hilfreiche Wirkung sogar dann, wenn sie an Personen gerichtet sind, die gar nicht mehr leben.