Entschuldigung

ein niedergeschlagener Esel

Gehören auch Sie zur Gruppe der Entschuldigungs-Missbraucher? - Eine übermäßige Anwendung von „Entschuldigung!“ ist ungesund. Achten Sie doch einmal darauf, wie oft Sie zu unrecht um Verzeihung bitten und stehen Sie, (nur) wenn es angebracht ist, aufrecht und ehrlich zu Ihren Fehlern.

Eine Floskel, die uns klein macht

Oft bitten wir um Entschuldigung, obwohl wir überhaupt keine Schuld haben. Oder wir entschuldigen uns - so zu sagen - prophylaktisch. Kennen Sie Situationen wie die Folgenden?

  • Sie sind ins Flugzeug eingestiegen und verstauen Ihr Handgepäck im Fach über Ihrem Sitzplatz; da werden Sie von einem unachtsamen Mitreisenden angerempelt. Reflexhaft bitten Sie(!) um Entschuldigung.

  • Der Supermarkt Ihres Vertrauens hat umgeräumt; Sie suchen vergebens nach Pesto-Verde oder Pinienkernen und sprechen einen Marktmitarbeiter an: „Entschuldigung? Wo finde ich …?“

In beiden Fällen sind wir unschuldig. Beim Gepäckverstauen nehmen wir den nötigen und uns zustehenden Raum ein. Im Supermarkt ist es recht und billig, dass wir die gewünschte Auskunft erfragen.

Ich habe sogar erlebt, dass sich Menschen entschuldigen, denen andere rücksichtslos das Wort abschneiden. - Besteht die Menschheit vielleicht aus zwei Gruppen? Auf der einen Seite die Rücksichtslosen, Lauten, Ungehobelten und auf der anderen Seite die Übervorsichtigen, Zurückhaltenden, auf Harmonie Bedachten? - Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Haben Sie eine Vermutung, wer häufiger um Entschuldigung bittet, Frauen oder Männer? - Und wer ist häufiger schuldig? - Es gibt selbstverständlich immer solche und solche, Sie verstehen, was ich meine.

Veränderung

„Entschuldigung“ oder „Verzeihung“ ersatzlos zu streichen wäre keine gute Idee. Immerhin bieten die Wörter eine gewisse soziale und sprachliche Schmiere. Meine Alternativvorschläge helfen Ihnen vielleicht dabei, Ihre ganz persönlichen Reaktionsmuster zu entwickeln.

Alternativen zum grundlosen Entschuldigen

Das Flugzeugbeispiel: Sagen Sie anstelle von „Entschuldigung“ „Das macht fast gar nichts.“ oder falls die Rempelei wirklich zu heftig war: „Das hat fast nicht weh getan.“ Natürlich ist auch ein „Passen Sie doch bitte auf.“ denkbar, je nach dem, ob Sie die Situation eher humorvoll oder nüchtern klarstellen wollen.

Das Supermarktbeispiel: Es ist unangebracht, sich beim Personal zu entschuldigen. Wie wäre es mit „Guten Tag, wo finde ich denn …?“.

Selbstcoaching

Reflexhaftes Entschuldigen und die damit verbundene (Zurück)Haltung wird man nicht von heute auf morgen los. Die folgenden Tipps können Ihnen aber dabei helfen, auf einen guten Weg zu kommen.

  • Beobachten Sie sich selbst und achten Sie darauf, wie oft Sie sich zu unrecht entschuldigen.

  • Setzen Sie hin und wieder an Stelle eines „Entschuldigung“ eine Alternative.

  • Reden Sie Klartext. Das ist anfangs nicht leicht, denn Sie müssen auf den Punkt kommen und sagen, was Sie wollen oder wirklich denken. Der Aufwand lohnt sich aber, denn Sie bringen auf diese Weise auch die Menschen, mit denen Sie es beruflich und privat zu tun haben dazu, ihrerseits klarer den jeweiligen Standpunkt und Willen zu formulieren.

  • Spüren Sie nach, wie sich das neue Verhalten für Sie anfühlt. Wie reagiert Ihr Umfeld darauf?

Efahren Sie mehr zum Thema Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken.

Und jetzt bitte ich Sie demütig um Verzeihung dafür, dass ich Sie so lange aufgehalten habe.