Das Vermögen, dankbar zu sein

zwei glueckliche Kinder

Sich zu bedanken bzw. eine dankbare Haltung einzunehmen, ist also ein Zeichen von Größe und Souveränität. Das wird aber nicht von jedem intuitiv so wahrgenommen. Ich beobachte zwei ungesunde Einstellungen gegenüber der Dankbarkeit:

  • Dankbarkeit ist eine Pflicht. – Entweder man gehorcht dieser vermeintlichen Pflicht, ganz einfach weil sich das so gehört, oder man lehnt sie ab, weil man glaubt, auf diese Weise Stärke demonstrieren zu können. – Dieses Verhältnis zu Dankbarkeit bzw. Undankbarkeit kann sich entwickeln, wenn man als Kind zu Dankbarkeit und Unterwürfigkeit gezwungen wurde. „Sag schön danke.“ oder „Du bist ein undankbares Kind, schäm dich!“ Sie sehen schon, worauf ich hinaus will: Indem man Kinder zum Danke-Sagen zwingt, bringt man ihnen im besten Fall Manieren bei, man lehrt sie so aber nicht, aufrichtig dankbar sein zu können. Wie das gelingen kann, steht auf einem anderen Blatt.
  • Dankbarkeit hab ich nicht nötig. – Diese gedankenlose Haltung resultiert leicht, wenn Kinder in materiellem Überfluss und einer Atmosphäre der Selbstverständlichkeit aufwachsen. Oberflächlich gesehen entwickeln sie ein gesundes Selbstwertgefühl. Sie halten sich selbst für leistungsstark und krisenfest und werden oft erst viel später und schmerzlich eines besseren belehrt, wenn das Schicksal sie mit wirklichen Krisen konfrontiert.

Wenn es im Coaching um eine Stärkung des Selbstwertgefühls, um Sinn-Entdeckung oder um das Überwinden von Krisen geht, ist es oft zielführend über Dankbarkeit zu sprechen und eine dankbare Haltung aufzubauen.