Richard Feynman

RichardFeynman PaineMansionWoods1984 copyrightTamikoThiel bw

Richard Feynman, Träger des Nobelpreises für Physik 1965, war ein begnadeter Lehrer. Er ist dafür berühmt, die komplexesten physikalischen Zusammenhänge verständlich in Vorlesungen für Studienanfänger erklärt zu haben. Feynman stellte in einfachen Worten den Zusammenhang zwischen Verstehen und Verständlichkeit dar. Die folgende Anekdote veranschaulicht dies:

Eines Tages wird Feynman um eine Erklärung für ein physikalisches Phänomen gebeten. Er verspricht, sich darum zu kümmern und eine Erstsemestler-Vorlesung zum Thema auszuarbeiten. Nach ein paar Tagen gesteht er ein, dass er außer Stande sei, die angekündigte einfache Darstellung zu liefern. Dies sei nicht möglich, denn das Phänomen sei in Wirklichkeit noch nicht verstanden. "You know, I couldn't do it. I couldn't reduce it to the freshman level. That means we really don't understand it."*

Verständlichkeit, ein Messinstrument im Coaching

Im Coaching, ebenso wie in der Didaktik, geht es immer wieder auch um die Frage: Habe ich bzw. hat mein Gegenüber das Problem bzw. die Lösung verstanden? Nach Feynman ist das der Fall, wenn wir unsere Erkenntnisse in einfachen Worten und anschaulichen Bildern darstellen können. Es ist für Coach und Klient gleichermaßen wertvoll, bei ihrer gemeinsamen Arbeit diese Idee im Hinterkopf zu haben. Wenn der eine trotz konzentrierter Aufmerksamkeit nicht versteht, was der andere ihm eben erzählt hat, dann liegt das oft nicht an einer mangelhaften sprachlichen Kompetenz sondern daran, dass der Sprecher das, was er zum Ausdruck bringen will, in Wirklichkeit noch nicht voll verstanden hat. In diesem Fall hilft respektvolles Nachfragen.

Es ist sinnvoll, wenn sich die Gesprächspartner als Team begreifen, das in gemeinsamer Pionierarbeit unerforschte Gebiete erkundet. Der Dialog ist Mittel zum Zweck, denn er verlangt von beiden Teilnehmern, sich dem jeweils anderen verständlich zu machen. Gleichzeitig stellt er eine Kontrollmöglichkeit dar, da ja immer nachgefragt und um bessere Erklärungen gebeten werden kann.

Fazit

  1. Was wir verstanden haben, können wir in einfache Worte kleiden.
  2. Was wir nicht in einfache Worte kleiden können, haben wir nicht wirklich verstanden.
  3. Indem wir uns darum bemühen, etwas allgemeinverständlich zu erklären, gelangen wir selbst zu einem besseren Verständnis des jeweiligen Gegenstandes.

* Richard P. Feynman, Six Easy Pieces, Basic Books, 2011, S. XXII

** Bildquelle: Photo of Richard Feynman, taken in 1984 in the woods of the Robert Treat Paine Estate in Waltham, MA, while he and the photographer worked at Thinking Machines Corporation on the design of the Connection Machine CM-1/CM-2 supercomputer.